Was ist ein Blower-Door-Test und wozu dient er?
Ein Blower-Door-Test, auch Differenzdruck-Messverfahren genannt, ist eine Methode zur Bestimmung der Luftdichtheit eines Gebäudes. Hierbei wird eine spezielle Tür mit einem Ventilator in eine Gebäudeöffnung eingebaut, welcher einen Unter- oder Überdruck von 50 Pascal (Pa) erzeugt, um die Luftdurchlässigkeit der Gebäudehülle zu messen.
Die Hauptziele eines Blower-Door-Tests sind:
- Energieeffizienz: Durch Identifikation und Beseitigung von Undichtigkeiten können Sie den Energieverbrauch Ihres Hauses erheblich reduzieren. Eine luftdichte Gebäudehülle minimiert unnötige Wärmeverluste.
- Wohnkomfort: Eine bessere Luftdichtheit trägt zu einem behaglicheren Wohnklima bei, da Zuglufterscheinungen vermieden werden.
- Schutz vor Bauschäden: Eine luftdichte Gebäudehülle verhindert, dass feuchte Innenluft unkontrolliert entweicht und dadurch Kondensationsschäden und Schimmelbildung verursacht.
Ein gut durchgeführter Blower-Door-Test hilft Ihnen, die Luftwechselrate (n50-Wert) zu bestimmen, die angibt, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes pro Stunde bei einer Druckdifferenz von 50 Pa ausgetauscht wird. Dies ermöglicht es Ihnen, die Effizienz Ihres Gebäudes zu bewerten und etwaige Nachbesserungen zu erkennen. Ein niedriger n50-Wert zeigt eine hohe Luftdichtheit und somit eine bessere Energieeffizienz.
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die Norm DIN EN ISO 9972:2018-12 setzen dabei klare Anforderungen für die Durchführung des Tests, insbesondere für Neubauten und energieeffiziente Gebäude. Ein konformer Blower-Door-Test trägt somit langfristig zur Senkung der Betriebskosten und zum Umweltschutz bei.
Vorbereitung auf den Blower-Door-Test
Damit der Blower-Door-Test fehlerfrei und aussagekräftig ist, sind einige Vorbereitungen notwendig:
- Schließen Sie alle äußeren Fenster und Türen, damit keine unerwünschte Luftströmung entsteht.
- Öffnen Sie alle innenseitigen Türen zu beheizten, gekühlten oder mechanisch belüfteten Räumen, um eine einheitliche Messzone zu schaffen.
- Schalten Sie elektrische Geräte sowie Lüftungs- und Klimaanlagen aus, um Störungen zu vermeiden.
- Abdichten Sie keine nicht verschließbaren Außenluftdurchlässe, wie Fensterfalzlüfter, um praxisnahe Ergebnisse zu erhalten.
- Bereiten Sie temporäre Abdichtungen vor, falls es durch bestimmte Gebäudedurchdringungen wie Schornsteine notwendig ist.
- Nehmen Sie eine Baseline-Messung des aktuellen Gebäudedrucks zur Referenz während des Tests vor.
- Leeren Sie potenzielle Leckagequellen, wie Asche aus Kaminen, und füllen Sie wasserführende Siphons und Bodeneinläufe mit Wasser.
Diese Schritte gewährleisten präzise und zuverlässige Ergebnisse und spiegeln die tatsächlichen Bedingungen Ihres Gebäudes wider.
Durchführung des Blower-Door-Tests: Zwei Messverfahren im Vergleich
Beim Blower-Door-Test werden zwei unterschiedliche Messverfahren angewendet, um die Luftdichtheit eines Gebäudes zu überprüfen. Diese Verfahren sind nach den Normen DIN EN 13829 und DIN EN ISO 9972:2018-12 geregelt.
Messverfahren nach DIN EN 13829 (für Bestandsgebäude)
Dieses Verfahren ist insbesondere für ältere Gebäude und umfasst folgende Schritte:
- Vorbereitung: Schließen Sie alle Fenster und Außentüren, öffnen Sie alle Innentüren.
- Installation des Systems: Ein Ventilator mit einer luftdichten Plane wird in eine Tür- oder Fensteröffnung eingebaut.
- Druckprüfung: Erzeugen Sie zunächst einen konstanten Unterdruck, wobei der Ventilator Luft aus dem Gebäude zieht und Luft durch mögliche Leckagen nachströmt.
- Leckageortung: Erfassen Sie größere Undichtigkeiten mit der Hand und kleinere mit Rauchspendern, Anemometern oder Thermografiekameras.
- Auswertung: Berechnen Sie die Luftwechselrate (n50-Wert) anhand der Messergebnisse.
Messverfahren nach DIN EN ISO 9972: 2018-12 (für Neubauten)
Dieses Verfahren ergänzt das vorherige durch zusätzliche Maßnahmen und ist besonders für Neubauten vorgeschrieben:
- Vorbereitung: Schließen Sie alle Fenster und Außentüren.
- Installation des Systems: Der Aufbau ähnelt dem ersten Verfahren, Ventilator in eine Tür- oder Fensteröffnung eingebaut.
- Messung der natürlichen Druckdifferenz: Messen Sie die natürliche Druckdifferenz zwischen Innen- und Außenbereich vor den eigentlichen Drucktests.
- Druckstufenmessungen: Führen Sie eine Unterdruckmessung in mehreren Druckstufen durch, gefolgt von einer Überdruckmessung nach demselben Prinzip.
- Leckageortung und Dokumentation: Erfassen Sie Leckagen mit Rauchspendern, Anemometern oder Thermografiekameras und dokumentieren.
- Schlussmessung: Messen Sie zum Abschluss erneut die natürliche Druckdifferenz.
Beide Verfahren bewerten die Qualität der Gebäudehülle und identifizieren potenzielle Undichtigkeiten. Sie definieren klare Grenzwerte für die Luftwechselrate, je nach Gebäudeart.
Leckageortung während des Blower-Door-Tests
Um Leckagen in der Gebäudehülle präzise zu lokalisieren, stehen Ihnen verschiedene Methoden zur Verfügung:
- Tastsinn: Spüren Sie mit der Hand Zugluft an markanten Stellen auf, um größere Leckagen zu identifizieren.
- Rauchgeneratoren: Machen Sie Luftströmungen sichtbar, indem Sie Rauchgeneratoren oder Theaternebel einsetzen.
- Luftgeschwindigkeitsmessung: Verwenden Sie ein thermisches Anemometer, um die Luftgeschwindigkeit an verschiedenen Stellen zu messen.
- Thermografie: Nutzen Sie eine Thermografiekamera, um Temperaturunterschiede an der Gebäudeoberfläche aufzuspüren.
Durch gezielten Einsatz dieser Methoden können Sie die luftdichten Schwachstellen Ihres Gebäudes exakt identifizieren und gezielte Abdichtungsmaßnahmen ergreifen.
Auswertung der Ergebnisse und Grenzwerte
Nach Abschluss des Blower-Door-Tests erhalten Sie einen detaillierten Messbericht, der die Luftwechselrate (n50-Wert) Ihres Gebäudes ausweist. Dieser n50-Wert gibt an, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes pro Stunde bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal ausgetauscht wird.
Bestimmte Grenzwerte dienen der Bewertung der Luftdichtheit:
- Gebäude ohne Lüftungsanlage: Die Luftwechselrate sollte nicht mehr als 3 pro Stunde betragen (n50 ≤ 3,0).
- Gebäude mit Lüftungsanlage: Hier ist ein maximaler Luftwechsel von 1,5 pro Stunde zulässig (n50 ≤ 1,5).
- Passivhäuser: Diese Gebäude haben besonders strenge Anforderungen und dürfen den n50-Wert von 0,6 nicht überschreiten.
Ein niedriger n50-Wert zeigt eine hohe Luftdichtheit und somit eine bessere Energieeffizienz. Die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte kann ebenfalls Voraussetzung für Fördermittel und Bauzertifizierungen sein.
Vorteile eines niedrigen n50-Wertes:
- Energieeinsparung: Eine dichte Gebäudehülle reduziert Wärmeverluste und senkt Heizkosten.
- Bauschadensprävention: Vermeiden Sie Feuchteschäden und Schimmelbildung durch kontrollierte Luftführung.
- Wohnkomfort: Profitieren Sie von einem behaglichen Raumklima ohne Zugluft.
Nutzen Sie das Blower-Door-Testergebnis, um die Energieeffizienz und Behaglichkeit Ihres Wohnraums zu optimieren.