Bohrungen richtig bemaßen: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Eine präzise Bemaßung von Bohrungen in technischen Zeichnungen ist von großer Bedeutung, um Fehler bei der Fertigung zu vermeiden. Hier finden Sie eine detaillierte Anleitung, wie Sie Bohrungen korrekt bemaßen.
1. Werkstück fixieren und Senken
Bevor Sie mit dem Bohren beginnen, müssen Sie das Werkstück stabil fixieren, um ein Verrutschen zu verhindern. Nutzen Sie dazu geeignete Klammern oder eine Schraubzwinge. Im nächsten Schritt sollten Sie mit einem Kegelsenker eine Fase an der Bohrstelle anbringen, die etwas größer ist als der gewünschte Durchmesser. Diese Fase dient als Führung und verhindert ein Verrutschen des Bohrers.
2. Vorbohren
Das Vorbohren ist entscheidend für die Genauigkeit der Bohrung. Setzen Sie den Spiralbohrer in die Fase und beginnen Sie mit dem Bohren eines Kernlochs. Stellen Sie die Drehzahl des Bohrers entsprechend dem Durchmesser und Material ein. Entfernen Sie regelmäßig die Späne, um eine saubere Bohrung zu gewährleisten.
3. Gewindebohrung
Wenn eine Gewindebohrung vorgesehen ist, bohren Sie das Kernloch entsprechend der Gewindetabelle vor. Verwenden Sie dann die Gewindebohrer in der Reihenfolge Vorschneider, Mittelschneider und Fertigschneider. Entfernen Sie zwischen den Werkzeugwechseln die Späne und arbeiten Sie stets mit Schneidöl.
4. Positionieren der Bohrungen
Die genaue Position der Bohrungen geben Sie durch Koordinaten oder Abstände zu anderen Elementen an. Nutzen Sie Maßlinien und Pfeile, um die Abstände klar zu definieren und Missverständnisse zu vermeiden.
5. Bemaßung von Tiefen
Bei Sacklochbohrungen ist es wichtig, neben dem Durchmesser auch die Tiefe anzugeben. Zeichnen Sie dazu eine Hilfslinie, die von der Oberfläche der Bohrung bis zur gewünschten Tiefe reicht, und platzieren Sie die Maßzahl neben der Linie.
6. Mehrere gleiche Bohrungen bemaßen
Sind mehrere identische Bohrungen vorhanden, können Sie verschiedene Methoden der Bemaßung anwenden:
- Einzelbemaßung: Jede Bohrung wird individuell bemaßt.
- Sammelbemaßung: Eine Bohrung wird vollständig bemaßt, und weitere identische Bohrungen werden durch Linien dieser ersten Bohrung zugeordnet.
- Bohrungstabelle: Eine Tabelle fasst alle Eigenschaften wie Durchmesser, Tiefe und Position zusammen.
- Kombination aus Anzahl und Kennbuchstabe: Diese Methode platziert die Informationen direkt in der Zeichnung neben der Bohrung, z. B. „3x Ø8 A“, wobei „3x“ für die Anzahl der Bohrungen, „Ø8“ für den Durchmesser und „A“ für die Kennzeichnung steht.
7. Senkungen und Abstände
Bei Bohrungen, die eine Senkung erfordern, geben Sie den Senkungsdurchmesser und -winkel gemäß den Normen an. Achten Sie auf die Mindestabstände von Senkungen zu Kanten und anderen Bohrungen, um die Stabilität des Werkstücks nicht zu beeinträchtigen.
Spezielle Fälle: Gewindebohrungen und Senkungen
Gewindebohrungen und Senkungen erfordern besonders sorgfältige Bemaßung, um sicherzustellen, dass die Bauteile präzise und nach Norm gefertigt werden können. Berücksichtigen Sie folgende Aspekte:
- Gewindebohrungen: Geben Sie die Gewindeart (z.B. Metrisches Gewinde) und die Gewindegröße (z.B. M10) exakt an. Markieren Sie die benötigte Tiefe der Bohrung und des Gewindes eindeutig, insbesondere bei Sacklöchern.
- Senkungen: Erfassen Sie den Durchmesser und Winkel der Senkung (typischerweise 90° oder 120°). Geben Sie Normen wie DIN ISO 7721 für Senkkopfschrauben oder DIN 74-1 für Senkschrauben an, um die Anforderungen zu erfüllen.
- Darstellung in Zeichnungen: Ergänzen Sie Draufsichten von Bohrungen und Senkungen durch Schnittdarstellungen oder Seitenansichten und bemaßen Sie entsprechend.
- Zusatzinformationen: Fügen Sie in der Draufsicht neben den Maßzahlen auch Angaben zu den verwendeten Normen hinzu, um Missverständnisse zu vermeiden.
- Wichtige Abstände: Halten Sie Mindestabstände ein, z.B. sollte eine Senkung mindestens das Dreifache der Materialstärke von Biegungen entfernt sein und den vierfachen Abstand zu einer Kante sowie den achtfachen Abstand zueinander aufweisen.
Zusätzliche Tipps für die Bemaßung von Bohrungen
- Berücksichtigung der Bearbeitungstoleranzen: Beachten Sie mögliche Toleranzen und Werkzeugabweichungen, z.B. durch Werkzeugverschleiß oder Maschinenstabilität.
- Einsatz von Bohrungstabellen: Verwenden Sie Bohrungstabellen, um mehrere identische Bohrungen zu beschreiben und die Übersichtlichkeit zu erhöhen.
- Tiefenbemaßung bei Sacklochbohrungen: Geben Sie stets an, ob eine Bohrung ein Durchgangsloch oder ein Sackloch ist. Bei Sacklochbohrungen sollten neben dem Durchmesser auch die Bohrungs- und Gewindetiefen klar ersichtlich sein.
- Verwendung von Normen: Setzen Sie Normen wie DIN ISO 129 ein, um konsistente und verständliche technische Zeichnungen zu erstellen.
- Zusatzinformationen in der Draufsicht: Ergänzen Sie Draufsichten von Gewindebohrungen und Senkungen um zusätzliche Informationen wie den Senkwinkel und genaue Tiefenangaben, um Missverständnisse zu vermeiden.
- Bohrungslinien richtig verwenden: Nutzen Sie Maßlinien und Pfeile, um die Abstände klar zu definieren und die Positionierung der Bohrungen eindeutig zu machen.
Diese zusätzlichen Tipps sollten Ihnen helfen, Ihre Bohrungen noch präziser zu bemaßen und Fehler bei der Fertigung zu minimieren.