Die Wichtigkeit der Flachdachentwässerung
Flachdächer unterscheiden sich entscheidend von Steildächern, da sie Regenwasser nicht einfach durch Neigung ableiten können. Stattdessen sammeln sich große Wassermengen auf der nahezu ebenen Fläche. Eine effektive Entwässerung ist deshalb unerlässlich, um Wasserschäden und Feuchtigkeitsprobleme zu vermeiden. Eine unzureichende Entwässerung führt zu Wasseransammlungen, die das Dach erheblich belasten und im schlimmsten Fall die Statik des Gebäudes gefährden können. Bereits 10 cm stehendes Wasser erzeugen eine Last von 100 kg pro Quadratmeter. Daher sollte der Entwässerungsaspekt schon bei der Errichtung des Dachs sorgsam geplant werden.
Die fachgerechte Flachdachentwässerung verringert die Gefahr von Schimmelbildung und anderen Feuchtigkeitsschäden. Besonders bei starken Regenfällen oder extremen Wetterbedingungen ist ein zuverlässiges Entwässerungssystem unverzichtbar. Durch gezielte Ableitung des Niederschlagswassers verlängern Sie die Lebensdauer Ihres Daches und vermeiden kostenintensive Reparaturen. Berücksichtigen Sie hierbei stets die spezifischen Gegebenheiten Ihres Gebäudes und die örtlichen Vorschriften, um eine ordnungsgemäße Entwässerung sicherzustellen.
Innenliegende Entwässerung
Die innenliegende Entwässerung leitet Regenwasser durch im Gebäudeinneren verlegte Rohre ab. Hierbei verläuft das Wasser über Dachabläufe in vertikale Fallrohre, die im Erdreich an die Grundleitung angeschlossen sind.
Vorgehensweise
Für eine effektive Entwässerung positionieren Sie die Dachabläufe an den tiefsten Punkten des Flachdaches. Diese Abläufe sind über Kernbohrungen mit einem innenliegenden Rohrsystem verbunden, das schließlich das Wasser in die Kanalisation leitet. Die Anzahl und Position der Dachabläufe richten sich nach der Größe und dem Gefälle des Daches sowie den regionalen Niederschlagsmengen.
Systemarten
Es gibt zwei Hauptsysteme für die innenliegende Entwässerung:
- Freispiegelentwässerung: Hierbei fließt das Wasser durch die Schwerkraft. Jede Teildachfläche verfügt über einen eigenen Ablauf, von wo aus das Wasser in die Grundleitung geleitet wird.
- Druckströmungsentwässerung: Dieses System wird für größere Flächen eingesetzt und nutzt sowohl Schwerkraft als auch Druck, um das Wasser effizient vom Dach zu saugen. Dadurch werden weniger Rohre benötigt.
Vorteile
Die innenliegende Entwässerung bietet mehrere Vorteile:
- Geschütztheit der Rohre: Die Rohre sind vor Witterungseinflüssen geschützt.
- Unauffälligkeit: Die Fallrohre sind von außen nicht sichtbar und tragen zu einer ansprechenderen Optik des Gebäudes bei.
- Leistungsfähigkeit: Diese Systeme bieten eine hohe Abflussleistung und eignen sich sowohl für Freispiegel- als auch für Druckströmung.
Planung und Dimensionierung
Planen und dimensionieren Sie diese Systeme gemäß den Normen DIN EN 12056-3 und DIN 1986. Sorgen Sie für eine sorgfältige Abdichtung aller Dachabläufe und Verbindungen, um Undichtigkeiten zu vermeiden. Achten Sie besonders auf die Dämmung der Fallrohre, um Wärmebrücken zu verhindern.
Hinweise zur Wartung
Die innenliegenden Entwässerungssysteme sollten regelmäßig gewartet und gereinigt werden. Mindestens zweimal im Jahr sollten die Abläufe von Laub, Schmutz und anderen Verunreinigungen befreit und die Dichtigkeit der Anschlüsse überprüft werden.
Außenliegende Entwässerung (Attikaentwässerung)
Die Attikaentwässerung leitet Regenwasser über außenliegende Rohre ab, die an der Attika des Flachdachs installiert sind.
Vorgehensweise
Bei der Attikaentwässerung wird das Wasser durch Attika-Gullys an der Attika gesammelt. Diese Gullys leiten das Wasser durch kurze horizontale Ablaufrohre nach außen, wo es über vertikal an der Fassade befestigte Fallrohre vom Gebäude abgeleitet wird.
Geeignete Einsatzgebiete
Die Attikaentwässerung eignet sich besonders für Gebäude, bei denen eine innenliegende Entwässerung aus bautechnischen oder gestalterischen Gründen problematisch ist. Zudem kann diese Methode als nachhaltige Lösung genutzt werden, da das gesammelte Wasser für weitere Zwecke verwendet werden kann.
Vorteile
Die Attikaentwässerung bietet zahlreiche Vorteile:
- Vermeidung von Durchdringungen: Keine Durchbrüche durch das Gebäudeinnere, was das Risiko von Feuchtigkeits- und Dichtheitsproblemen reduziert.
- Geringe Eingriffe in die Bausubstanz: Ideal für nachträgliche Installationen oder bei Sanierungen, da bestehende Strukturen kaum beeinträchtigt werden.
- Brandschutz: Keine Leitungen innerhalb des Gebäudes, was die Risiken bezüglich Brandschutz verringert.
- Volle Nutzbarkeit des Innenraums: Kein Platzverlust im Inneren des Gebäudes durch Fallleitungen.
Hinweise zur Montage
Sorgen Sie dafür, dass die Dimensionierung der Ablauf- und Fallrohre ausreicht, um die anfallenden Wassermengen zügig abzuleiten. Eine fachgerechte Befestigung der Rohre an der Fassade ist wichtig, um die Stabilität der Installation zu gewährleisten und auch bei extremen Wetterbedingungen eine zuverlässige Funktion sicherzustellen.
Wartungstipps
Regelmäßige Wartung ist auch hier entscheidend. Entfernen Sie regelmäßig Laub, Schmutz und andere Ablagerungen aus den Abläufen und überprüfen Sie die Dichtheit der Verbindungen, um sicherzustellen, dass das Wasser zuverlässig abgeleitet wird.
Notentwässerung
Bei extremen Regenereignissen oder einer Verstopfung der Hauptentwässerung ist eine Notentwässerung für Flachdächer unverzichtbar.
Prinzipien der Notentwässerung
Die Notentwässerung darf nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen werden, sondern muss das Wasser auf eine frei überflutbare Grundstücksfläche ableiten.
Möglichkeiten der Notentwässerung
Es gibt verschiedene Methoden für eine effektive Notentwässerung:
- Notüberläufe durch die Attika: Besonders geeignet für kleinere Flachdächer. Das Wasser wird über die Attika abgeleitet.
- Zusätzliche Dachabläufe: Diese werden zusätzlich zu den regulären Abläufen installiert und dienen speziell der Notentwässerung.
- Partielles Absenken der Attika: Bestimmte Bereiche der Attika werden abgesenkt, um Wasser gezielt abzuführen.
Planung und Installation
Die Dimensionierung und Positionierung der Notentwässerungselemente sollte exakt berechnet werden, um eine ausreichende Abflussleistung zu gewährleisten. Jeder Tiefpunkt auf dem Dach benötigt neben dem Hauptentwässerungssystem auch eine Notentwässerung.
Wartung und Pflege
Regelmäßige Wartung ist entscheidend. Entfernen Sie regelmäßig Schmutz und Laub aus den Notabläufen und überprüfen Sie die Dichtigkeit der Verbindungen, um Blokaden oder Undichtigkeiten zu vermeiden.
Dachabläufe und Notüberläufe
Für eine effektive Flachdachentwässerung ist die richtige Auswahl und Installation von Dachabläufen und Notüberläufen essenziell. Sie sorgen dafür, dass selbst bei extremen Wetterbedingungen das Wasser reibungslos abgeleitet wird und keine strukturellen Schäden entstehen.
Auswahl
Verwenden Sie fabrikmäßig vorgefertigte Dachabläufe und Notüberläufe, die den Anforderungen der DIN EN 1253 entsprechen.
Befestigung
Sowohl Dachabläufe als auch Notüberläufe müssen sicher in der Unterkonstruktion befestigt werden, um eine dauerhafte Funktion zu gewährleisten. Dies verhindert Bewegungen durch Wind und Wetter, die zu Undichtigkeiten führen könnten.
Anschluss
Der Anschluss an die Dachabdichtung kann auf verschiedene Weise erfolgen:
- Los-/Festflansch
- Klebeflansch
- Integrierte Anschlussbahnen
- Flüssigabdichtungen
Achten Sie darauf, dass die verwendeten Materialien kompatibel sind, um eine wasserdichte Verbindung zu gewährleisten.
Zugänglichkeit
Dachabläufe müssen zu Wartungszwecken leicht zugänglich sein. Planen Sie regelmäßige Reinigungen ein, um Laub, Schmutz und Ablagerungen zu entfernen, die den Wasserfluss behindern könnten.
Platzierung und Anzahl
Stellen Sie sicher, dass Dachabläufe an den tiefsten Punkten des Daches angebracht und ausreichend dimensioniert sind, um die zu erwartenden Wassermengen abzuleiten. Jeder Tiefpunkt sollte mindestens einen regulären Dachablauf und einen Notüberlauf aufweisen.
Notüberläufe
Notüberläufe sind gesetzlich vorgeschrieben. Sie dürfen nicht an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen werden, sondern müssen auf eine frei überflutbare Fläche abgeleitet werden.
Normen und Richtlinien
Halten Sie sich bei der Planung und Installation von Dachabläufen und Notüberläufen an die einschlägigen Normen und Richtlinien wie DIN EN 12056-3 und DIN 1986, um eine sichere und regelkonforme Entwässerung sicherzustellen.
Pflege und Wartung
Die regelmäßige Pflege und Wartung Ihres Flachdachs ist essenziell, um die Funktionstüchtigkeit der Entwässerung sicherzustellen und teure Reparaturen zu vermeiden. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen, die Sie regelmäßig durchführen sollten:
- Inspektion und Reinigung: Führen Sie mindestens zweimal im Jahr eine gründliche Inspektion Ihres Dachs durch. Entfernen Sie dabei Laub, Unrat und andere Ablagerungen von den Dachabläufen, um Verstopfungen zu vermeiden.
- Überprüfung der Dichtungen: Kontrollieren Sie die Dichtigkeit aller Verbindungen, um sicherzustellen, dass keine Leckagen auftreten, die zu Wasserschäden führen könnten.
- Prüfung der Notentwässerung: Die Notentwässerungssysteme sollten ebenfalls regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie im Bedarfsfall ordnungsgemäß funktionieren.
- Dokumentation: Halten Sie alle Wartungsarbeiten schriftlich fest, inklusive Datum und festgestellter Mängel. Dies hilft Ihnen, mögliche Schwachstellen rechtzeitig zu identifizieren und beheben zu lassen.
- Fachkundige Wartung: Lassen Sie die Dachanlage regelmäßig von einem Fachmann inspizieren. Ein Wartungsvertrag mit einem spezialisierten Unternehmen kann hierbei sinnvoll sein.
Durch diese Maßnahmen stellen Sie sicher, dass Ihr Flachdach und dessen Entwässerungssystem in einwandfreiem Zustand bleiben und die Langlebigkeit Ihrer Dachkonstruktion gesichert ist.