Das Problem: Stehendes Wasser auf dem Flachdach
Stehendes Wasser auf Flachdächern kann eine Vielzahl von Problemen verursachen. Langfristig kann stehendes Wasser die Bausubstanz schädigen, vor allem wenn es aufgrund unzureichenden Gefälles, verstopfter Abläufe oder mangelnder Wartung nicht richtig abfließt. Solche Wasseransammlungen erhöhen die statische Belastung des Dachs und können zu strukturellen Schäden führen, falls sie nicht behoben werden.
Ein unzureichend entwässertes Dach ist besonders anfällig für Undichtigkeiten. Wasser kann in die Dachabdichtung eindringen und diese porös machen. Sobald es in die Isolierung gelangt, beeinträchtigt es die Dämmstoffe, was die Energieeffizienz des Gebäudes reduziert und zu zusätzlichen Reparaturkosten führen kann. Besonders Witterungsbedingungen wie Starkregen oder Schneeschmelze verschärfen die Situation. Überlastete oder verstopfte Entwässerungssysteme können nicht schnell genug abfließen, was das Risiko von Wasserschäden und Frostschäden erhöht. Deshalb ist regelmäßige Wartung und Überprüfung der Entwässerungsanlagen entscheidend.
Um solche Probleme zu vermeiden, sollten Sie Ihre Entwässerungssysteme stets funktionsfähig halten und regelmäßig warten. Dies umfasst die Reinigung von Dachabläufen und Fallrohren sowie gegebenenfalls die Installation zusätzlicher Entwässerungselemente. Ein gut durchdachtes und gewartetes Entwässerungssystem ist essenziell, um die strukturelle Integrität und den Wert Ihres Flachdachs zu erhalten.
Druckentwässerung: Funktionsweise und Vorteile
Die Druckentwässerung für Flachdächer nutzt den Unterdruck in den Rohrleitungen zur effizienten Ableitung des Regenwassers. Die Leitungen füllen sich vollständig mit Wasser, was durch spezielle Dachabläufe und Anschlussleitungen sichergestellt wird, um die gewünschte hohe Fließgeschwindigkeit zu erreichen.
Vorteile der Druckentwässerung
- Effiziente Raumnutzung: Rohrleitungen können gefällelos verlegt werden, was den Platzbedarf unterhalb des Daches deutlich reduziert und eine flexible Nutzung der darunterliegenden Räume ermöglicht.
- Schnelle Entwässerung: Das Wasser wird aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeit schnell und effektiv abgeleitet, was besonders bei starkem Niederschlag vorteilhaft ist.
- Verminderter Wartungsaufwand: Das System hat eine Selbstreinigungseigenschaft, wodurch Ablagerungen in den Leitungen verhindert werden und der Wartungsaufwand sinkt.
- Vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Das System funktioniert unabhängig vom Geländegefälle, wodurch weniger Erdarbeiten nötig sind. Dies macht es besonders flexibel einsetzbar.
- Umweltfreundlichkeit: Ein geschlossenes System minimiert Kontaminationsrisiken für den Boden. Zudem können oft recycelbare Materialien verwendet werden, was die Nachhaltigkeit fördert.
Anwendungsmöglichkeiten
Die Druckentwässerung wird häufig bei großen Dachflächen eingesetzt, wie etwa bei Produktionshallen oder Sportstadien. Diese Methode ist auch ideal für Gebäude mit einem großen Höhenintervall oder die eine besonders schnelle Ableitung großer Wassermengen erfordern.
Planung und Umsetzung der Druckentwässerung
Die Planung einer Druckentwässerungsanlage erfordert Präzision und Expertise. Folgende Schritte und Faktoren sind wesentlich:
Schritte zur Planung
- Analyse der Dachfläche: Beginnen Sie mit der Vermessung und Analyse der Dachfläche, um die Fläche und die erwarteten Wassermengen bei Starkregen zu bestimmen.
- Höhenunterschied bestimmen: Der Höhenunterschied zwischen Dach und Grundleitungsanschluss ist entscheidend. Ein Mindestgefälle von 4,2 Metern ist notwendig, um die Funktion der Druckentwässerung zu sichern.
- Verlegung der Leitungen: Verlegen Sie die Leitungen ohne Gefälle, was die Raumnutzung unter dem Dach optimiert. Achten Sie auf die richtige Dimensionierung der Sammelleitungen und Fallrohre.
- Dimensionierung der Abläufe: Die Anzahl und Abmessungen der Dachabläufe müssen auf die maximale Niederschlagsmenge abgestimmt werden. Eine Abflussleistung von mindestens 1,0 Litern pro Sekunde und Ablauf sollte sichergestellt sein.
Wesentliche Faktoren
- Dachaufteilung: Planen Sie separate Systeme für unterschiedliche Abflussbeiwerte und Höhenunterschiede, falls die Dachfläche stark variiert.
- Standort der Airstops: Platzieren Sie diese Funktionsteile strategisch, um den Sog-Effekt zu initiieren und eine Vollfüllung des Systems zu gewährleisten.
- Hydraulische Abstimmung: Stellen Sie sicher, dass alle Abläufe an gemeinsamen Fallleitungen hydraulisch abgestimmt sind, um Rückstau zu vermeiden und eine gleichmäßige Lastenverteilung zu gewährleisten.
- Anlaufhöhe: Der Abstand zwischen der Einlaufebene und der Mitte der horizontal verlaufenden Sammelleitungszone sollte mindestens 0,30 bis 0,40 Meter betragen.
Methoden der Umsetzung
Konventionelle Druckentwässerung
Diese Methode nutzt spezialisierte Dachabläufe mit Airstops, die Lufteintritt in die Leitungen verhindern und sicherstellen, dass sich das System vollständig mit Wasser füllt, wodurch der notwendige Unterdruckeffekt entsteht.
Vakuumentwässerung
Dieses System nutzt zusätzlich eine Vakuumpumpe, um noch stärkeren Unterdruck zu erzeugen. Dadurch können kleinere Rohrdurchmesser verwendet und der Materialbedarf reduziert werden. Diese Methode eignet sich besonders für großflächige oder komplexe Gebäudegeometrien.
Durch eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung dieser Faktoren stellen Sie sicher, dass Ihre Druckentwässerungsanlage jederzeit effizient und zuverlässig funktioniert. Frühe Abstimmungen mit Fachleuten helfen, alle bautechnischen und hydraulischen Anforderungen präzise in Ihre Planung einzubeziehen.