Fenstersicherung: Widerstandsklassen und Nachrüstmöglichkeiten
Eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Fenstersicherheit ist die Wahl der passenden Widerstandsklasse bei neuen Fenstern und die Nachrüstung bestehender Fenster. Hier sind die wichtigsten Aspekte, die Sie kennen sollten:
Widerstandsklassen für Fenstersicherungen
Fenster werden in verschiedene Widerstandsklassen (Resistance Classes, RC) eingeteilt, welche die Dauer und den Grad des Widerstands gegen Einbruchsversuche beschreiben. Diese Klassen sind speziell in der DIN EN 1627 geregelt:
- RC1 N: Diese Standardfenster bieten keinen speziellen Einbruchschutz und können leicht mit einfachem Werkzeug geöffnet werden.
- RC2 N: Entspricht RC1 N, jedoch verfügt der Fensterrahmen über zusätzliche Verstärkungen, sodass er mindestens drei Minuten lang einfachen Werkzeugangriffen standhält.
- RC2: Erweitert RC2 N um Sicherheitsverglasung, was die Fenster deutlich sicherer macht.
- RC3: Diese Fenster halten mindestens fünf Minuten lang Angriffen mit härteren Werkzeugen wie Brecheisen stand und bieten einen gehobenen Einbruchschutz.
- RC4 und höher: Diese Klassen sind hauptsächlich für gewerbliche Anwendungen relevant und bieten sehr hohen Schutz.
Für private Haushalte werden mindestens Fenster der Widerstandsklasse RC2 empfohlen, da sie bereits einen guten Schutz gegen die meisten Einbruchsversuche bieten.
Nachrüstmöglichkeiten für bestehende Fenster
Bestehende Fenster können durch verschiedene Nachrüstsysteme gemäß der Norm DIN 18104 sicherer gemacht werden. Hier eine Auswahl der effektivsten Methoden:
- Pilzkopfverriegelungen: Diese modernen Beschläge verbinden Fensterflügel und Rahmen fest miteinander und erschweren so das Aufhebeln.
- Abschließbare Fenstergriffe: Diese verhindern das Öffnen des Fensters von außen, selbst wenn der Beschlag manipuliert wurde. Effektiv nur in Verbindung mit einbruchhemmenden Beschlägen.
- Zusatzschlösser: Diese lassen sich sichtbar am Fensterrahmen montieren und erhöhen die Sicherheit durch zusätzliche Verriegelungspunkte.
- Einbruchhemmende Drehkippbeschläge: Sie ersetzen die Standardbeschläge und bieten einen erhöhten Widerstand gegen Aufhebelversuche.
- Hintergreifsicherungen: Diese Elemente verhindern die Manipulation des Beschlags und das Aufhebeln des Fensters von außen.
- Sicherheitsverglasung: Besonders Verbundsicherheitsglas (VSG) erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Glasbruch erheblich. Alternativ kann eine Sicherheitsfolie auf bestehende Glasflächen aufgebracht werden.
- Alarmspinnen: Ein Drahtsystem auf der Innenseite der Scheibe, das bei Glasbruch einen Alarm auslöst und Einbrecher abschreckt.
Fachgerechte Montage
Damit die Nachrüstsysteme ihre volle Wirksamkeit entfalten können, ist die professionelle Installation unerlässlich. Qualifizierte Fachbetriebe gewährleisten eine sachgemäße Montage und können zudem für Ihre spezifischen Sicherheitsbedürfnisse geeignete Lösungen empfehlen.
Parallelabstell-Beschläge
Parallelabstell-Beschläge sind eine innovative Lösung, um Ihre Fenster sowohl sicher als auch für die Belüftung nutzbar zu machen. Diese Mechanik ermöglicht es, den Fensterflügel parallel zum Rahmen zu verschieben, wodurch ein kontinuierlicher Lüftungsspalt entsteht. Diese einzigartige Funktion bietet mehrere Vorteile:
- Einbruchhemmend: Auch in der Parallelabstellposition bleibt die Widerstandsklasse RC2 erhalten, da der Fensterflügel fest verankert bleibt und das Aufhebeln erheblich erschwert wird.
- Kontinuierliche Belüftung: Der umlaufende Spalt sorgt für einen natürlichen Luftaustausch, der selbst bei Abwesenheit der Bewohner ein angenehmes Raumklima ermöglicht.
- Einfache Bedienung: Mit nur einer 180°-Drehung des Fenstergriffs kann der Fensterflügel in die Parallelabstellposition gebracht werden, was eine einfache und benutzerfreundliche Handhabung gewährleistet.
- Kompatibilität: Diese Beschläge sind für unterschiedliche Rahmenmaterialien wie Kunststoff und Holz geeignet, solange diese bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllen.
Parallelabstell-Beschläge sorgen somit für ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort.
Sicherheitsfolien für Fenster
Sicherheitsfolien stellen eine effektive und vergleichsweise kostengünstige Methode dar, um bestehende Fenster einbruchssicherer zu machen. Diese selbstklebenden Folien werden auf die Innenseite der Fensterscheiben aufgebracht und erschweren das gewaltsame Eindringen erheblich. Bei einem Einbruchsversuch sorgen Sicherheitsfolien dafür, dass das Glas nicht in einzelne Scherben zerfällt, sondern zusammengehalten wird, was das Eindringen erschwert.
Sicherheitsfolien bieten nicht nur Schutz vor Einbrüchen, sondern erfüllen auch weitere nützliche Funktionen:
- UV-Schutz: Viele Sicherheitsfolien bieten zusätzlichen UV-Schutz, was vorzeitiges Ausbleichen von Einrichtungsgegenständen verhindern kann.
- Splitterbindung: Bei Glasbruch sorgen die Folien dafür, dass die Glassplitter gebunden bleiben, was die Verletzungsgefahr reduziert.
- Kombinierbarkeit mit anderen Folien: Sicherheitsfolien können oft in Kombination mit weiteren Folien wie Sonnenschutz- oder Sichtschutzfolien verwendet werden.
Beim Kauf von Sicherheitsfolien sollten Sie darauf achten, dass diese nach DIN EN 356 geprüft sind. Diese Norm bescheinigt, dass die Folien eine wirksame Barriere gegen Durchbruch bilden. Je nach Bedarf sind verschiedene Folienstärken erhältlich, die unterschiedliche Sicherheitsniveaus bieten. Eine fachgerechte Montage ist entscheidend, da die Folie auch unter der Glasleiste angebracht werden muss, um optimalen Schutz zu gewährleisten.
Durch die richtige Anwendung von Sicherheitsfolien erhöhen Sie die Widerstandsfähigkeit Ihrer Fenster und tragen somit erheblich zur Sicherheit Ihres Zuhauses bei.
Fachgerechte Montage von Fenstern und Nachrüstsystemen
Damit Ihre Fenster den optimalen Einbruchschutz bieten, ist eine fachgerechte Montage unerlässlich. Lassen Sie die Installation daher stets von qualifizierten Fachbetrieben durchführen. Diese spezialisieren sich darauf, Fenster und Nachrüstsysteme nach den aktuellen Sicherheitsstandards anzubringen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die technischen Eigenschaften der Sicherheitsbeschläge und Verglasungen voll zur Geltung kommen.
Achten Sie bei der Auswahl des Fachbetriebs auf folgende Punkte:
- Zertifizierung: Stellen Sie sicher, dass der Betrieb über die notwendigen Zertifikate für die Montage einbruchhemmender Fenster und Beschläge verfügt.
- Erfahrungen und Referenzen: Informieren Sie sich über die Erfahrung und bereits abgeschlossene Projekte des Fachbetriebs.
- Beratung und Planung: Nutzen Sie die Beratungskompetenz der Fachbetriebe. Diese können Ihnen Empfehlungen für die auf Ihre Situation abgestimmten Sicherungsmaßnahmen geben.
Besonders wichtig ist die umfassende Verankerung der Fensterelemente im Mauerwerk. Fachbetriebe wissen, dass einfache Montagemethoden wie das Einschäumen nicht ausreichen, um den Anforderungen der verschiedenen Widerstandsklassen gerecht zu werden.
Vertrauen Sie auf die Expertise der Profis, um Ihr Zuhause durch richtig montierte Einbruchschutztechniken bestmöglich abzusichern. Eine unsachgemäße Installation kann selbst die besten Sicherheitsprodukte unwirksam machen. Daher ist die fachgerechte Montage ein wesentlicher Schritt, den Sie keinesfalls unterschätzen sollten.