Warum eine nachträgliche Hebeanlage?
Ein nachträglicher Einbau einer Hebeanlage kann aus verschiedenen Gründen notwendig oder sinnvoll sein. Ein häufiger Anlass ist der Wunsch, zusätzliche Wohn- oder Nutzräume in Keller- oder Souterrain-Bereichen zu schaffen. Ohne eine Hebeanlage besteht das Risiko, dass Abwasser nicht ordnungsgemäß abgeführt wird, besonders wenn diese Räume unterhalb der Rückstauebene liegen. Dies kann zu teuren Überflutungen führen.
Szenarien, in denen eine Hebeanlage notwendig sein kann, umfassen die Lagerung wertvoller Gegenstände im Keller, den Betrieb eines kleinen Gewerbes oder den Schutz einer Einliegerwohnung vor Rückstauschäden. Ebenso kann der Umbau eines Raums, in dem neue Sanitärobjekte wie WC, Dusche oder Waschmaschine installiert werden sollen, eine Hebeanlage erforderlich machen, um das Abwasser zuverlässig in die höher gelegenen Abwasserleitungen zu pumpen.
Falls Sie ein zusätzliches Bad, eine Küche oder Haushaltsgeräte in tieferen Etagen installieren möchten, bietet eine Hebeanlage Schutz vor Rückstau und Wasserschäden. So können Sie sicherstellen, dass Ihre Immobilie geschützt und funktionsfähig bleibt.
Welche Hebeanlagen gibt es?
Beim nachträglichen Einbau einer Hebeanlage gibt es verschiedene Typen, abhängig von der Art des Abwassers und den Anforderungen des Projekts.
1. Hebeanlagen für fäkalienhaltiges Abwasser:
Diese Anlagen sind für Toilettenanschlüsse unerlässlich. Sie verfügen über einen gas- und wasserdichten Behälter und benötigen eine Entlüftung zur Vermeidung von Geruchsbelästigungen. Diese Anlagen bieten die höchste Sicherheit für Installationen unterhalb der Rückstauebene.
2. Hebeanlagen für fäkalienfreies Abwasser:
Diese Systeme eignen sich für die Entwässerung von Duschen, Waschbecken und Waschmaschinen. Das Abwasser wird in einem Behälter gesammelt und automatisch abgepumpt. Diese Anlagen sind kompakt und einfacher zu installieren.
3. Kleinhebeanlagen:
Für einzelne sanitäre Installationen wie kleine Toiletten oder Handwaschbecken bieten Mini-Hebeanlagen eine flexible und platzsparende Lösung. Diese kleinen Systeme sind ideal für Enlangerungen in Dachschrägen, unter Treppen oder in kleinen Gäste-WCs.
Bei allen Anlagentypen sind Modelle mit unterschiedlicher Leistung verfügbar. Berücksichtigen Sie die Pumpenleistung, Geräuschentwicklung und den Wartungsaufwand, besonders bei der Installation in Wohnnähe.
Einbau einer Hebeanlage: Schritt für Schritt
Der Einbau einer Hebeanlage erfordert sorgfältige Planung und Durchführung:
- Prüfung der Ausgangslage: Stellen Sie sicher, dass die geplanten Entwässerungspunkte unterhalb der Rückstauebene liegen.
- Bedarfsermittlung und Auswahl der Anlage: Bestimmen Sie die zu entsorgenden Abwassermengen und -arten und wählen Sie eine passende Hebeanlage. Beachten Sie die DIN-Normen, insbesondere DIN EN 12056 und EN 12050.
- Vorbereitung und Montageplatz: Der Standort sollte leicht zugänglich und vor Hochwasser geschützt sein. Installieren Sie die Anlage möglichst in der Nähe der Abwasserquellen.
- Verrohrung und Anschluss: Verbinden Sie die Abwasserrohre der Sanitärobjekte mit der Hebeanlage. Stellen Sie flexible und spannungsfreie Verbindungen sicher und dichten Sie alle Anschlüsse ab.
- Installation der Entlüftung: Sorgen Sie für eine ordnungsgemäße Entlüftung gemäß den Herstellerangaben, um Geruchsbelästigungen zu verhindern.
- Festigung und Sicherung: Verankern Sie die Hebeanlage auftriebssicher im Boden und sorgen Sie für ausreichend Raum für Wartungsarbeiten.
- Inbetriebnahme: Nach der Installation schließen Sie die Anlage elektrisch an und testen sie, um die korrekte Funktion sicherzustellen.
Worauf sollten Sie beim Kauf achten?
Beim Kauf einer Hebeanlage sollten Sie folgende Kriterien beachten:
Materialien und Verarbeitung
Achten Sie auf die Stabilität und Korrosionsfreiheit der Materialien. Kunststoffteile sollten robust sein, während rostfreier Stahl oder Edelstahl für Teile wie die Pumpe geeignet ist.
Wassertemperatur und Förderkapazität
Überprüfen Sie die maximale Wassertemperatur und Förderkapazität der Anlage, um ihre Eignung für Ihren Anwendungsbereich zu gewährleisten.
Anwendungsbereich und Abwasserart
Entscheiden Sie sich anhand des Einsatzbereichs und der Abwasserart für eine geeignete Anlage. Für fäkalienhaltiges Abwasser benötigen Sie eine Hebeanlage mit integriertem Schneidwerk.
Pumpenleistung und Transportrichtung
Wählen Sie eine Anlage mit ausreichender Pumpenleistung für die erforderlichen Entfernungen und Höhenunterschiede.
Platzbedarf und Design
Berücksichtigen Sie den verfügbaren Installationsraum und wählen Sie eine kompakte und funktionale Anlage.
Wartungsfreundlichkeit
Stellen Sie sicher, dass die Anlage leicht zu warten ist. Dies senkt die Betriebskosten und verlängert die Lebensdauer.
Geräuschentwicklung
Achten Sie auf die Dezibel-Angaben, besonders wenn die Anlage in Wohnnähe installiert wird.
Rückstauautomat als Alternative
Ein Rückstauautomat kann eine sinnvolle Alternative oder Ergänzung zur Hebeanlage sein und bietet Schutz vor dem Rückfluss von Abwasser aus dem öffentlichen Kanalnetz. Rückstauautomaten arbeiten automatisch und blockieren rückdrückendes Abwasser zuverlässig.
Vorteile eines Rückstauautomaten
- Automatischer Betrieb: Sie aktivieren ihre Schutzfunktion bei Bedarf selbstständig.
- Vielseitiger Schutz: Sie bieten Schutz gegen rückdrückendes Abwasser und eindringendes Niederschlagswasser.
- Geringer Platzbedarf: Sie benötigen oft weniger Platz als eine Hebeanlage.
Mögliche Einsatzbereiche
- Keller und Souterrain: Effektiv, wenn die Entwässerungsgegenstände ausschließlich unterhalb der Rückstauebene liegen.
- Bestandsgebäude: Leichter nachzurüsten als Hebeanlagen, besonders attraktiv für bestehende Gebäude.
- Außenbereich: Können in externen Schächten eingebaut werden.
Grenzen und Einschränkungen
- Eingeschränkte Zulassung: Die Verwendung ist nach DIN EN 13564 in bestimmten Situationen beschränkt.
- Notwendige Wartung: Auch Rückstauautomaten benötigen regelmäßige Wartungen.
Durch die Kombination von Rückstauautomaten und Hebeanlagen kann ein optimaler Schutz gegen Rückstau erreicht werden. Beachten Sie stets die geltenden Normen und lassen Sie sich bei Bedarf von einem Fachmann beraten.