Was tun bei Legionellenbefall?
Wenn in Ihrer Trinkwasserinstallation Legionellen nachgewiesen werden, ist schnelles und systematisches Handeln erforderlich, um die Gesundheit der Nutzer:innen zu schützen und die Wasserhygiene sicherzustellen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
1. Sofortmaßnahmen:
- Informieren Sie umgehend die zuständigen Gesundheitsämter.
- Reduzieren Sie das Risiko einer Exposition durch sofortige Maßnahmen wie etwa Duschverbote und die Vermeidung von Aerosolbildung.
2. Gefährdungsanalyse:
Lassen Sie eine detaillierte Untersuchung der betroffenen Trinkwasseranlage durchführen, um die Ursache und das Ausmaß des Befalls zu bestimmen. Diese Einschätzung hilft Ihnen, gezielte Sanierungsmaßnahmen zu planen.
3. Maßnahmen in Abstimmung mit Behörden:
Führen Sie die zulässigen Sanierungsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt durch. Es kann erforderlich sein, wiederholte Wasserproben und Nachuntersuchungen durchzuführen, bis die Belastung auf ein akzeptables Niveau gesunken ist.
4. Dokumentation und Kommunikation:
Dokumentieren Sie alle ergriffenen Maßnahmen und deren Ergebnisse gründlich. Halten Sie regelmäßigen Kontakt zu den betroffenen Nutzer:innen und informieren Sie sie über die Fortschritte und notwendigen Vorsichtsmaßnahmen.
5. Vermeidung zukünftiger Befälle:
Ergreifen Sie zusätzliche Präventivmaßnahmen, um künftigen Legionellenbefällen vorzubeugen. Dazu gehören regelmäßige Wartung und Inspektion der Trinkwasseranlage, Sicherstellung der Einhaltung der vorgeschriebenen Wassertemperaturen sowie die Vermeidung von Wasserstagnation durch regelmäßige Nutzung der Wasserentnahmestellen.
Mit diesen Schritten minimieren Sie das Gesundheitsrisiko und stellen sicher, dass die Trinkwasserqualität langfristig verbessert wird.
Sanierungsmethoden
Um die Legionellenbelastung nachhaltig zu verringern, gibt es eine Vielzahl an Sanierungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen können in verschiedene Kategorien unterteilt werden: technische Änderungen am Betrieb, bauliche Anpassungen sowie spezielle Verfahren. Eine wirkungsvolle Sanierung besteht oft in einer Kombination dieser Maßnahmen.
Betriebstechnische Maßnahmen
Betriebstechnische Maßnahmen sind oft schnell umsetzbar und erfordern keine baulichen Veränderungen. Sie zielen darauf ab, den Betrieb der Anlage zu optimieren und Legionellenbefall durch gezielte Steuerung zu minimieren:
- Regelmäßige Temperaturkontrollen: Achten Sie darauf, dass die Wassertemperaturen für Kalt- und Warmwasser konstant im empfohlenen Bereich bleiben.
- Stagnationsvermeidung: Nutzen Sie alle Entnahmestellen regelmäßig, um stehendes Wasser zu vermeiden.
Bautechnische Maßnahmen
Bauliche Maßnahmen erfordern Eingriffe in die Trinkwasserinstallation und sind meist komplexer, haben jedoch einen langfristigen Effekt:
- Rückbau von Totleitungen: Entfernen Sie Leitungsabschnitte, die nicht genutzt werden, um stehendes Wasser zu verhindern.
- Isolierungsverbesserung: Verbessern Sie die Isolierung von Warmwasserleitungen, um die Temperatur konstant zu halten und Energieverluste zu minimieren.
- Hydraulischer Abgleich: Installieren Sie Regelventile, um eine gleichmäßige Durchströmung in allen Bereichen sicherzustellen und die Wassertemperatur effizient zu regulieren.
Verfahrenstechnische Maßnahmen
Diese Maßnahmen beinhalten spezifische Verfahren zur Desinfektion und Behandlung des Wassers und werden in der Regel dauerhaft oder periodisch angewendet:
- Thermische Desinfektion: Erhitzen Sie das gesamte Wassersystem für eine bestimmte Zeit auf über 70°C und spülen Sie anschließend alle Entnahmestellen mit heißem Wasser für mindestens 3 Minuten. Beachten Sie den Verbrühungsschutz.
- Chemische Desinfektion: Verwenden Sie chemische Mittel wie Chlordioxid zur Desinfektion des Wassersystems. Nach der Einwirkzeit spülen Sie die Leitungen gründlich, um Rückstände zu entfernen. Achten Sie während der Desinfektion auf die Verhütungsvorschriften.
- UV-Bestrahlung: Diese Methode verwendet UV-Licht zur Abtötung von Mikroorganismen und hat keinen Einfluss auf den Geschmack oder Geruch des Wassers.
- Elektrolytische Desinfektion: In einem speziellen Reaktor wird mithilfe von Kochsalz unterchlorige Säure (HOCl) erzeugt, die desinfizierend wirkt. Das Wasser wird danach wieder in seinen Ausgangszustand versetzt.
Durch eine gezielte Auswahl und die Kombination dieser Maßnahmen können Sie die Legionellenbelastung effektiv reduzieren und die Trinkwasserqualität langfristig sichern.
Sanierungsablauf
Ein gründlich geplanter und gut umgesetzter Sanierungsprozess ist entscheidend, um die Legionellenbelastung dauerhaft zu reduzieren. Der Ablauf sollte wie folgt gestaltet werden:
1. Gefährdungsanalyse:
Zunächst wird eine umfassende Gefährdungsanalyse durchgeführt. Bei dieser Untersuchung wird die Trinkwasserinstallation auf mögliche Legionellenquellen überprüft, um die Ursachen und das Ausmaß der Kontamination zu ermitteln.
2. Maßnahmenplanung und Angebotseinholung:
Auf Basis der Gefährdungsanalyse werden konkrete Sanierungsmaßnahmen definiert. Gleichzeitig werden Angebote von spezialisierten Installationsfirmen eingeholt und entsprechend bewertet. Dies stellt sicher, dass sowohl technische als auch finanzielle Aspekte berücksichtigt werden, bevor mit der eigentlichen Sanierung begonnen wird.
3. Umsetzung:
Die definierten Maßnahmen werden nun realisiert. Dazu gehören bauliche Veränderungen wie der Rückbau unnötiger Leitungsabschnitte und die Vermeidung von Wasserstagnation durch hydraulische Optimierungen. Etwaige technische Maßnahmen, wie die Installation von Regelventilen und der Einsatz von Desinfektionsverfahren (z.B. thermische oder chemische Desinfektion), werden ebenfalls umgesetzt.
4. Sanierungskontrolle und Dokumentation:
Nach der Umsetzung der Maßnahmen erfolgt eine gründliche Kontrolle der ergriffenen Schritte. Hierzu werden regelmäßige Wasserproben entnommen und die Ergebnisse dokumentiert. Die Überprüfung der Wassertemperaturen und die Beobachtung etwaiger Veränderungen in der Wasserqualität sind Teil dieser Kontrollmaßnahmen.
5. Langfristiger Betrieb und Wartung:
Nach erfolgreicher Sanierung ist es essenziell, den bestimmungsgemäßen Betrieb der Trinkwasseranlage sicherzustellen. Dies beinhaltet regelmäßige Wartungsarbeiten und Inspektionen, um zukünftige Legionellenbefälle zu verhindern. Ein kontinuierliches Temperatur-Monitoring sowie eine planmäßige Wasserentnahme tragen dazu bei, potenzielle Rückfälle frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
Ein sorgfältiger Sanierungsablauf, der systematisch alle notwendigen Schritte berücksichtigt, gewährleistet die dauerhafte Sanierung der Trinkwasserinstallation und trägt zum Schutz der Gesundheit aller Nutzer:innen bei.