Vorschriften und Berechnung der Rauchabzugsfläche
Um die Sicherheit in Treppenhäusern im Brandfall zu gewährleisten, sind in den jeweiligen Landesbauordnungen spezifische Vorschriften für Rauchabzugsvorrichtungen festgelegt. Diese müssen so dimensioniert sein, dass sie effektiv arbeiten können. Die Größe der notwendigen Rauchabzugsfläche richtet sich nach der Grundfläche des Treppenraums.
Anforderungen nach Gebäudeart
- Innenliegende Treppenräume: Diese müssen unabhängig von der Gebäudehöhe oder der Anzahl der Geschosse immer über eine Rauchabzugsvorrichtung verfügen.
- Außenliegende Treppenräume: Eine Rauchabzugsvorrichtung wird hier ab einer bestimmten Gebäudehöhe oder Geschossanzahl erforderlich. Diese Schwellenwerte können je nach Bundesland variieren, jedoch sind häufige Schwellenwerte 7 m Geschossbodenhöhe oder 13 m Geschosshöhe über Gelände.
- Spezialgebäude: Einrichtungen mit hohem Publikumsaufkommen, wie Kultureinrichtungen oder Verkaufsstätten, benötigen stets Rauchabzüge mit Auslösestellen auf jeder Etage.
Berechnung der Rauchabzugsfläche
Die Berechnung der notwendigen Rauchabzugsfläche basiert auf zwei wesentlichen Anforderungen:
1. Mindestfläche: Die freie Rauchabzugsfläche muss mindestens 5 % der Treppenraumgrundfläche betragen. Abhängig vom Bundesland darf sie jedoch nicht kleiner als 0,5 m² oder 1,0 m² sein.
Beispiel: Eine Treppenraumgrundfläche von 15 m² (2,5 m x 6 m) hat eine erforderliche Rauchabzugsfläche von 0,75 m² (5 %), wobei hier aufgrund der Mindestanforderung 1 m² gewählt werden muss.
2. Geometrisch freie Rauchabzugsfläche: Diese wird durch die lichte Öffnungsfläche und die Ausstellweite der Rauchabzugsöffnung bestimmt. Der kleinere Wert der projizierten lichten Öffnung (Länge x Breite) wird als freie geometrische Rauchabzugsfläche angesetzt.
Dieser Berechnungsansatz stellt sicher, dass Rauch effizient abgeführt wird, um Fluchtwege rauchfrei zu halten und die Arbeit der Feuerwehr zu erleichtern.
Lösungsansätze zur Treppenhausentrauchung
Es gibt verschiedene Methoden zur effektiven Entrauchung eines Treppenhauses, die jeweils unterschiedliche Vorzüge bieten. Wählen Sie die Methode, die am besten zu den baulichen Gegebenheiten und den Brandschutzanforderungen passt.
Natürliche Rauchabzugsanlagen (NRA)
Die natürliche Entrauchung basiert auf dem Kamineffekt, bei dem Rauch durch Dachflächenfenster, Lichtkuppeln oder deckennahe Außenwandfenster abgeführt wird. Diese Öffnungen können manuell über Handtaster oder automatisch durch Rauchmelder ausgelöst werden. Für einen erforderlichen Luftaustausch sind Nachströmöffnungen unerlässlich. Ein Vorteil der natürlichen Rauchabzugsanlage ist der regelmäßige Luftwechsel, der zur Vorbeugung von Schimmelbildung beiträgt.
Maschinelle Rauchabzugsanlagen (MRA)
Maschinelle Entrauchungssysteme verwenden Ventilatoren, um Rauch konstant ins Freie zu leiten. Diese kann über Kanalsysteme oder direkt erfolgen und wird manuell oder automatisch ausgelöst. Diese Systeme sind besonders vorteilhaft, wenn natürliche Rauchabzugsöffnungen nicht ausreichend sind oder bauliche Gegebenheiten dies verhindern.
Rauchschutz-Druckanlagen (RDA)
Rauchschutz-Druckanlagen erzeugen einen Überdruck im Treppenraum, der das Eindringen von Rauch verhindert. Dieser Überdruck muss sofort beim Erkennen eines Brandes aufgebaut werden können, was eine Anbindung an eine automatische Brandmeldeanlage notwendig macht. Ein konstanter Überdruck hält Treppenräume rauchfrei, solange die Türen geschlossen bleiben.
Spülverfahren
Das Spülverfahren verwendet große Luftvolumenströme, um Rauchgase zu verdünnen und aus dem Gebäude zu leiten. Diese Methode eignet sich vor allem für die Zeit nach der Evakuierung, da sie eine hohe Strömungsgeschwindigkeit erfordert und nur effektiv ist, wenn die Luftströmungen kontrolliert werden.
Steuerung und Auslösung der Rauchableitung
Die Steuerung und Auslösung der Rauchableitung erfolgt manuell oder automatisch, um eine schnelle und effektive Entrauchung sicherzustellen. Manuelle Auslösungen sind in der Nähe des Hauseingangs sowie am obersten Treppenabsatz und alle drei Etagen vorgeschrieben. Diese müssen netzunabhängig betrieben werden, beispielsweise mit CO₂-Flaschen, Pneumatiksystemen oder 24V-Elektro-Öffnern mit Notstromversorgung.
Eine zusätzliche automatische Auslösung über Rauchmelder ist empfehlenswert, um im Brandfall keine Zeit zu verlieren. Die Entrauchungsöffnungen können in Dachflächenfenstern, Lichtkuppeln oder deckennahen Fenstern an der Außenwand installiert sein. Bei Bränden in Hochhäusern gelten zusätzliche Vorschriften, um eine effiziente Rauchableitung zu gewährleisten.
Regelmäßige Wartung und Funktionsprüfungen der Systeme sind unabdingbar, um deren Zuverlässigkeit im Ernstfall zu garantiert.